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28 January 2007 @ 09:42 pm
Literati: Ein Letztes Mal  
Titel: Ein letztes Mal
Autor: Colorblind aka Mira
Pairing: Literati
Raiting: RG-13
Disclaimer: Nichts gehört mir, nur die Idee.
Summary: AU zu Folge 6x18.
Wann würde die Vergangenheit aufhören sie einzuholen, wann würde sie endlich wieder durchschlafen können, wann würde sie endlich wieder aufstehen können und das Gefühl haben, dass heute ein guter Tag bevorsteht?

A/N: Mich hat das Lied "Der letzte Kuss" von den Toten Hosen sehr inspiriert. Und der OS isn Beitrag zur FF-Challenge.


Ein letztes Mal



Schweissgebadet wachte sie auf. Wie so oft. Keuchend und heftig atmend legte sie die Hand an ihre linke Brust, spürte ihr Herz pochen, hörte das Rauschen in ihren Ohren. Sie zitterte am ganzen Körper.
Schon wieder. Wann würden diese Alpträume aufhören? Wieviele Nächte würde sie noch gequält werden? Sie setzte sich auf und nahm einen Schluck Wasser aus dem Glas, das neben ihrem Bett stand. Ihre Zähne stießen klappernd dagegen, ihre Hand zitterte, sie hatte Schwierigkeiten das Glas zu halten ohne etwas zu verschütten.
Jener Tag verfolgte sie jede Nacht.



Die Ruhe vor dem Sturm. An diese Redewendung dachte Rory, als sie langsam die Straßen entlang lief und ihre Gedanken sammelte. Sie fühlte sich verwirrt und konfus, wusste nicht ob sie das Richtige tat. Ein kühler Windhauch strich ihr durch die Haare, sie fröstelte und zog die Arme vor dem Körper zusammen. Die Wolken wurden immer dichter. Nach Hause wollte sie noch nicht. Dazu fühlte sie sich nicht bereit. Langsam fielen die ersten Regentropfen.

Es war ein verrückter Tag gewesen. Sie hatte sich entschieden seine Einladung anzunehmen, es bot sich an, sie war alleine, fühlte sich einsam. Also fuhr sie nach Philadelphia. Einfach so. Tauchte auf, unerwartet, so wie er es auch immer getan hatte.
Sie sah die Freude in seinem Gesicht. Es fühlte sich alles gut an, so vertraut, so wie früher. Mit keinem konnte sie wortlos sprechen, mit keinem konnte sie Blicke austauschen, die alles über den anderen verrieten. Nur mit ihm.
Schnell hatte sie gemerkt, was ihr gefehlt hatte. Und doch machte es ihr Angst. All das führte ihr vor Augen, wie sich sich verändert hatte, mit wem sie nun verkehrte, was jetzt wichtig in ihrem Leben war. Sie könnte nicht alles rückgängig machen. Dazu hatte sie schon viel zu lang ein anderes Leben gelebt. Diese Unbeschwertheit, diese Leichtigkeit würde sich nicht mehr mit ihrem Leben vereinbaren können.
Doch als er sie küsste, vergaß sie für einen Moment all die Zweifel, alte Erinnerungen kamen zurück, sie ließ sich fallen. Und plötzlich kam es ihr wieder, was tat sie da nur? Sie lügte nicht nur sich selbst an, sondern auch ihn. Sie würde ihn nicht glücklich machen, sie hatte sich zu sehr verändert. Schnell suchte sie Ausflüchte, redete ihm und sich selbst ein, dass sie jemand anderes lieben würde, verhaspelte sich, gab zu, dass sie betrogen wurde und verließ die Buchhandlung so schnell wie sie gekommen war. Bevor alles noch schlimmer werden würde.

Nervös knabberte sie an ihrer Unterlippe, steckte die Hände tief in die Manteltaschen. Was war nur los mit ihr?
Seufzend blieb sie stehen und suchte in ihrer Handtasche nach den Autoschlüsseln. Der Regen war stärker, sie fluchte kurz und bereute es, dass sie keinen Regenschirm mitgeholt hatte. Mit schnellen Schritten lief sie in die Seitenstraße in der sie ihr Auto geparkt hatte.
"Rory! Hey, Rory, warte!" hörte sie jemanden rufen, eine Stimme die ihr Herz gefrieren ließ. Erschrocken drehte sie sich um. Er war es.
"Jess" hauchte sie, als er ein paar Meter vor ihr stehen blieb, mit durchnässten Haaren und heftig atmend.
"Rory, hör zu, ich lass dich nicht so einfach gehen, diesmal nicht, und ich weiss, dass du auch nicht gehen willst!"sagt er mit fester Stimme und sah ihr in die Augen. Schnell schaute sie weg, wollte sich nicht von seinen Blicken einfangen lassen, da sie wusste, dass er in ihren Augen die Wahrheit lesen konnte. "Nein Jess, nein.." stammelte sie, wurde jedoch von ihm unterbrochen. "Rory, ich hab dir dasselbe schon einmal gesagt und ich werde es wieder sagen, wenn ich nicht die richtige Antwort bekomme. Du weisst dass wir zusammen gehören und ich will mit dir zusammen sein, also schaffen wir es auch zusammen. Komm mit mir!"
Sie starrte ihn an. Warum tat er das? Warum blieb er so hartnäckig? Wieso akzeptierte er kein simples Nein?
Ihr Herz wusste die Antwort. Weil sie beide verrückt nacheinander waren. Doch sie ließ es nicht zu, versteckte sich hinter einer Fassade.
Minuten vergingen, die Welt rauschte an ihr vorbei. Er stand vor ihr, triefend nass, kleine Wasserbäche liefen ihm die Schläfen hinunter. Mit einem bittenden Blick hungerte er nach ihrer Antwort.
Und als sie ihn dort stehen sah überkam es sie, ein ähnliches Gefühl wie vor einigen Jahren an Sookie's Hochzeit. Mit wenigen Schritten füllte sie die Lücke die zwischen ihnen entstanden war und fiel in seine Arme. Heisse Tränen stiegen ihr in die Augen, sie spürte endlich wieder seine Nähe und schmiegte ihren Kopf an seinen Hals. Er wiegte sie wie ein kleines Kind, strich ihr durch die nassen Haare, beruhigte sie mit leisen Worten. "Es tut mir alles so leid, all die Zeit..." schluchzte sie, selbst überrascht über ihren plötzlichen Gefühlsausbruch. Doch all das hatte sich schon viel zu lange in ihrem Inneren angestaut, all die Gedanken, verpassten Chancen, Gefühle. "Ist schon okay, alles wird gut Rory.." flüsterte er und drückte sie enger an sich.
Nach einer Weile, die ihnen wie eine kleine Ewigkeit vorkam, lösten sie sich voneinander. Rory wischte sich durch ihr Gesicht, ein Gemisch von salzigen Tränen und Regen, und lächelte. Vielleicht würde wieder alles gut werden. "Ich muss... ich werde mein Handy aus dem Wagen holen, ich will Bescheid sagen, dass ich später komme, meine Mum erwartet mich nämlich" sagte sie leise und blickte auf ihre Fußspitzen. "Kein Problem, mach das" erwiderte auch Jess leise. Beide wusste noch nicht wie sie miteinander umgehen sollten, behandelten den Anderen wie ein rohes Ei, vorsichtig, bedächtig.
Rory überquerte die Kreuzung, völlig in Gedanken versunken. Das Nächste das sie spürte war eine Hand, nein, 2 Hände, ein Aufprall, sie hörte ihren Namen, ein Quietschen, einen dumpfen Aufprall. Stille. Türenknallen. Fluchen. "Miss, geht es ihnen gut? Miss?"
Langsam öffnete sie ihre Augen, es flimmerte, sie erkannte Umrisse, jemand stand vor ihr und beugte sich zu ihr hinunter. Ihr Bein schmerzte. Sie blinzelte ein paar Mal und sah einen Fremden, der sein Handy zückte und aufgeregt etwas stammelte. Aber all das interessierte sie nicht, denn sie erkannte eine Person, still und merkwürdig verdreht, ein paar Meter weiter weg liegen. "Nein" flüsterte sie mit tonloser Stimme, Panik ergriff sie und sie robbte sich trotz Schmerzen weiter, zu ihm. "Jess" rief sie unter Tränen, strich ihm vorsichtig durch die Haare.
Seine Augenlider zuckten und er öffnete halb seine Augen. "Hey Liebes" flüsterte er und versuchte zu lächeln. Sie nahm sein Gesicht in beide Hände, fragte sich immer wieder warum er ihr nachgelaufen war, sie müsse an seiner Stelle liegen, sie hatte es verdient, aber nicht er, jeder, nur nicht er. "Alles wird gut, Jess, alles wird wieder gut" brachte sie hervor, eingedenk dessen, dass Jess vor einigen Minuten noch dasselbe zu ihr gesagt hatte. Es war die Ironie des Schicksals, ging es in ihrem Kopf herum. Sie schaute ihn an, sah wie sich seine bernsteinfarbenen Augen trübten, wie sein Atem flach und schnell ging. "Ich liebe dich doch" flüsterte sie erst leise, wie zu sich selbst, dann lauter und schließlich schrie sie es heraus, "Ich liebe dich Jess". Er sah sie an und Hoffnung durchzuckte ihn, er lächelte. Das war alles was er von ihr hören wollte. Sie beugte sich zu ihm herunter, spürte seine heissen Atem, seine kalten Lippen auf ihren, als wollte sie ihm den Lebensfunken einhauchen. Es war das letzte Mal, dass sie sich küssten, dass sie sich gegenseitig die Liebe gaben, die sie brauchten.



Wann würde die Vergangenheit aufhören sie einzuholen, wann würde sie endlich wieder durchschlafen können, wann würde sie endlich wieder aufstehen können und das Gefühl haben, dass heute ein guter Tag bevorsteht?
Sie war aufgestanden und ans Fenster gegangen, beobachtete die Sterne, stellte sich vor, dass er sie beobachtete. Das half ihr, morgens aufzustehen, zur Arbeit zu fahren und zu versuchen ein normales Leben zu führen. Und doch vermisste sie ihn jeden Tag, wenn sie alleine in ihrer Wohnung saß, wenn ein Lied im Radio lief, das sie an ihn erinnerte, wenn ein Film im Fernsehen lief, den sie zusammen geschaut hatten.
Schuldgefühle plagten sie, denn wenn sie früher auf ihn gehört, ja wenn sie an dem besagten Abend auf ihn gehört hätte, wäre es nie soweit gekommen. Sie war Schuld an seinem Tod, und niemand konnte es ihr ausreden, nicht ihre Mutter, nicht Lane, nicht ihre Therapeutin.
Doch an manchen Tagen durchlief ein Lächeln ihr Gesicht, da sie wusste, dass Jess an sie dachte, egal wo er war, egal was er war. Sie wusste dass er ihr verziehen hatte, auch für all die Zeit in der sie ihn nicht an sich heran ließ und sie hoffte, dass sie irgendwann ihren Seelenfrieden erlangen konnte, mit seiner Hilfe.
 
 
 
pooleyogo on November 2nd, 2011 06:38 am (UTC)
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